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Ich habe am Wochenende meine Canon Digital Ixus Camera wiedergefunden und möchte fortan mit ihr Fotos erstellen. Also die von unterwegs. Ich möchte vor allem aber mein Smartphone zu Hause liegen lassen und meine langen Spaziergänge und Aktivitäten ohne Telefon tätigen. So wie früher. Ich möchte […]
Warum ich immer häufiger mein Handy weg lasse
<p>Ich habe am Wochenende meine <strong>Canon Digital Ixus</strong> Camera wiedergefunden und möchte fortan mit ihr Fotos erstellen. Also die von unterwegs. Ich möchte vor allem aber mein Smartphone zu Hause liegen lassen und meine langen Spaziergänge und Aktivitäten ohne Telefon tätigen. <em>So wie früher</em>. Ich möchte mein Smartphone-Detoxing verstärken und nach Möglichkeit auf die allumfassende Erreichbarkeit, Kurzkonzentration und was alles noch damit zusammenhängt, verzichten. Ich möchte es sogar aktiv unterbinden. Auch und vor allem dem Drang möchte ich mich widersetzen, gleich von unterwegs einen Post abzusetzen sondern zu warten, das Erlebte sich setzen zu lassen, die Bilder mit einem alten USB 2.0 Kabel herunter zu laden, zu bearbeiten, eventuell wieder hoch zu laden und dann etwas dazu zu sagen. Mit einer Zwischensequenz des Denkens.</p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://janmontag.de/content/images/2026/02/IMG_3671.jpeg" class="kg-image" alt="Canon Digital IXUS 70 auf Holztisch" loading="lazy" width="2814" height="2814" /><figcaption><span style="white-space:pre-wrap">Canon Digital IXUS 70 auf Holztisch</span></figcaption></figure><p>Der Wunsch, sich aus der digitalen Dauerverfügbarkeit zurückzuziehen, ist dabei aber kein technikfeindlicher Impuls, sondern ein zutiefst philosophischer. Er berührt Fragen nach Zeit, Aufmerksamkeit, Selbstverhältnis und Weltbezug. Smartphones sind nicht einfach Werkzeuge; sie strukturieren meine Wahrnehmung. Sie fragmentieren meine Zeit in Benachrichtigungen, zerlegen Erfahrung in potenziell teilbare Ereignisse und verschieben den Fokus vom Erleben zum Dokumentieren. Was ich sehe, sehe ich immer auch schon im Hinblick darauf, wie es geteilt werden könnte. Bestes Beispiel dafür sind immer noch die Foodblogger, die einfach nicht in Ruhe essen können, weil sie teilen und antworten müssen. Oder ich, der einen langen Spaziergang am Wochenende nicht des Spazierens wegen tut, sondern um die gemachten Fotos sofort auf Social Media zu teilen.</p><p><em>Eva Illouz</em> zeigt mit ihrer <em>Emotionalisierung der Öffentlichkeit</em>, wie stark Selbstwahrnehmung vom antizipierten Blick anderer geprägt ist. Selbst intime oder banale Momente werden innerlich bereits „für ein Publikum“ erlebt. Das Smartphone fungiert dabei als permanenter Zeuge.</p><p>Wenn ich also viel öfter ohne Telefon unterwegs bin, entziehe ich dem Moment sein implizites Publikum. Das Erlebte muss niemandem gefallen, niemandem erklärt werden, niemandem genügen. Wie entspannend, oder? Das Festhalten mit der Kamera ist so endlich kein performativer Akt mehr, sondern ein <strong>privates Archivieren von Bedeutung</strong>. So wie ich mir das wünsche. Für mich. Und vielleicht auch später noch für andere.</p><p><em>Byung-Chul Han</em> beschreibt die Gegenwart nicht mehr als Disziplinargesellschaft, sondern als "<strong>Leistungsgesellschaft</strong>, in der wir uns selbst ausbeuten". Das Smartphone ist dabei kein Überwachungsinstrument von außen, sondern ein <strong>Selbstoptimierungs- und Selbstexpositionsgerät</strong>. Erreichbarkeit ist keine Pflicht mehr, sondern eine internalisierte Erwartung.</p><p>Mein Rückzug lässt sich hier als <strong>Wiederaneignung von Negativität</strong> verstehen:<br />Nicht erreichbar sein, nicht reagieren, nicht posten – das sind bewusste Unterlassungen in einer Kultur, die ständige Positivität verlangt. Han spricht davon, dass Tiefe, Kontemplation und Dauer nur dort entstehen, wo etwas <em>nicht</em> sofort verfügbar ist. Und es fällt mir nicht leicht.</p><p>Dass ich später posten will ist also philosophisch kein Aufschub, sondern <strong>Widerstand gegen die Diktatur des Jetzt</strong>. 😄</p><p>In dieser Logik wird Gegenwart zu einem Durchgangsstadium. Der Moment ist nicht mehr Selbstzweck, sondern Rohmaterial. Der französische Philosoph <em>Henri Bergson</em> unterschied zwischen <em>messbarer Zeit</em> und <em>gelebter Dauer</em>. Smartphones ziehen uns permanent aus dieser Dauer heraus. Sie zerhacken den Fluss der Erfahrung in kleine, abrufbare Einheiten. Der Spaziergang wird unterbrochen, nicht nur äußerlich, sondern innerlich: durch den ständigen Impuls zu prüfen, zu reagieren, zu antworten.</p><p><strong>Matthew Crawford</strong> argumentiert, dass Aufmerksamkeit heute ein umkämpftes Gut ist. Digitale Systeme sind darauf ausgelegt, Aufmerksamkeit zu binden, nicht Bedeutung zu erzeugen. Das Smartphone kolonisiert nicht nur Zeit, sondern auch <strong>Intentionalität</strong>: Es bestimmt, worauf ich mich richte – oft gegen meinen Willen.</p><figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://janmontag.de/content/images/2026/02/IMG_3670.jpeg" class="kg-image" alt="Canon Digital Ixus von hinten. Die Kamera ist ausgeschaltet." loading="lazy" width="3024" height="3024" /></figure><p>Mein Wunsch, das Telefon zu Hause zu lassen, lässt sich als <strong>phänomenologische Reinigung</strong> verstehen und das kann man folgendermaßen beschreiben: ich reduziere die Anzahl möglicher Handlungen, um die verbleibenden intensiver wahrnehmen zu können. Die alte Kamera zwingt (mich) zur Entscheidung, nicht zur Reaktion.</p><p>Weniger erreichbar sein zu wollen ist deshalb kein Rückzug aus der Welt, sondern ein Versuch, wieder in ihr anzukommen. Erreichbarkeit bedeutet heute vor allem Reaktionspflicht. Wer erreichbar ist, steht in einem latenten Arbeitsverhältnis zur Welt. Jede Nachricht trägt die implizite Frage: „Warum antwortest du nicht?“ Sich dem zu entziehen heißt, sich wieder ein Recht auf Unverfügbarkeit zu nehmen – ein Recht, das der Soziologe Hartmut Rosa als Voraussetzung von Resonanz beschreibt. Resonanz entsteht nicht unter Zwang, sondern dort, wo etwas antworten <em>kann</em>, nicht <em>muss</em>.</p><figure class="kg-card kg-gallery-card kg-width-wide"><div class="kg-gallery-container"><div class="kg-gallery-row"><div class="kg-gallery-image"><img src="https://janmontag.de/content/images/2026/02/IMG_3668.jpeg" width="3024" height="3024" loading="lazy" alt="" /></div><div class="kg-gallery-image"><img src="https://janmontag.de/content/images/2026/02/IMG_3669.jpeg" width="3024" height="3024" loading="lazy" alt="" /></div></div><div class="kg-gallery-row"><div class="kg-gallery-image"><img src="https://janmontag.de/content/images/2026/02/IMG_3671-1.jpeg" width="2814" height="2814" loading="lazy" alt="" /></div><div class="kg-gallery-image"><img src="https://herrmontag.de/content/images/2026/02/IMG_3670.jpeg" width="2000" height="2000" loading="lazy" alt="" srcset="https://herrmontag.de/content/images/size/w600/2026/02/IMG_3670.jpeg 600w, https://herrmontag.de/content/images/size/w1000/2026/02/IMG_3670.jpeg 1000w, https://herrmontag.de/content/images/size/w1600/2026/02/IMG_3670.jpeg 1600w, https://herrmontag.de/content/images/2026/02/IMG_3670.jpeg 2000w" /></div></div></div></figure><p>Gleichzeitig bleibt der Wunsch, die Welt festzuhalten. Fotografieren mit einer alten Digitalkamera ist dabei kein nostalgischer Gag, sondern ein anderes Verhältnis zur Technik. Die Kamera ist zweckgebunden. Sie kann fotografieren – sonst nichts. Sie fordert eine Entscheidung: Jetzt oder nicht. Kein Scrollen, kein Sofort-Feedback, keine Statistik. Das Bild bleibt zunächst bei mir. Es muss warten. Und mit ihm auch die Bedeutung dessen, was ich erlebt habe.</p><p>Kein richtiger Text ohne Rosa 😄 <em>Hartmut Rosa</em> in unserem Falle! Er unterscheidet zwischen <em>Verfügbarkeit</em> und <em>Resonanz</em>. Moderne Gesellschaften versuchen, Welt permanent verfügbar zu machen – messbar, teilbar, beschleunigt. Doch echte Resonanz entsteht nur dort, wo Welt sich <strong>nicht erzwingen lässt</strong>.</p><p>Mein Vorgehen bezüglich gehen, erleben, später anschauen und später schreiben erzeugt (für mich) genau diese Resonanzachse:</p><ul><li>Körperliche Bewegung (Spaziergang)</li><li>Zeitliche Verzögerung</li><li>Reflexive Rückkehr zum Erlebten</li></ul><p>Das Sofort-Posten zerstört irgendwie diesen Resonanzraum, weil es Erfahrung sofort in Output verwandelt. Mein Detoxing ist schon ein bisschen auch ein Eskapismus, aber vor allem auch ein <strong>Resonanzexperiment</strong>.</p><p>Mein Warten ist philosophisch entscheidend. Frau Arendt hat damals benannt, dass Bedeutung erst im Nachdenken entsteht, nicht im unmittelbaren Vollzug. Eine Sache die ich versuche immer zu leben. Auf alles bezogen, auch auf die Arbeit und den Umgang Anderer. Aber hier meine ich, dass sofort geteilte Erlebnisse diesen Prozess verkürzen. Das Erlebnis wird externalisiert, bevor es sich innerlich setzen konnte. Das spätere Herunterladen über ein altes USB-2.0-Kabel, das Bearbeiten, das erneute Anschauen – all das verlangsamt. Es schafft Distanz, und gerade diese Distanz macht Reflexion möglich.</p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://herrmontag.de/content/images/2026/02/IMG_2853.JPG" class="kg-image" alt="Digital Ixus hat ein Foto vom Sonnenaufgang heute morgen erstellt." loading="lazy" width="2000" height="1500" srcset="https://herrmontag.de/content/images/size/w600/2026/02/IMG_2853.JPG 600w, https://herrmontag.de/content/images/size/w1000/2026/02/IMG_2853.JPG 1000w, https://herrmontag.de/content/images/size/w1600/2026/02/IMG_2853.JPG 1600w, https://herrmontag.de/content/images/size/w2400/2026/02/IMG_2853.JPG 2400w" /><figcaption><span style="white-space:pre-wrap">Digital Ixus hat ein Foto vom Sonnenaufgang heute morgen erstellt.</span></figcaption></figure><p>Der digitale Rückzug ist für mich kein Verlust, sondern eine Verschiebung: weg von der permanenten Aktualität hin zur Nachträglichkeit. Weg von der Echtzeit hin zur Erinnerung. Die Welt wird nicht weniger festgehalten, sondern anders – weniger als Beweis der eigenen Präsenz, mehr als Spur einer Begegnung. </p><p>Zum Schluss bleibt für mich also eigentlich nur Post-Digitalität und Verzögerung, so wie sie Bernard Stiegler beschreibt. Genauer beschreibt Stiegler Technik als Gedächtnisstütze, die unser Denken formt. Schnelle Technik erzeugt schnelles Denken – oft auf Kosten von Tiefe. <em>Tech-Dumbness</em>. Und wenn ich jetzt sage dass immer mehr Menschen komplexe Dinge nutzen ohne sie zu hinterfragen oder deren Funktionalität richtig zu verstehen, kann man mir mit Atombomben kommen, aber die sind nicht für jedermann. Quantenmechanik im Alltag auch nicht. Aber Technik eben schon. Sowie Medienkompetenz. Aber das Fass mache ich jetzt nicht mehr auf. </p><p>Mein "analoger Workflow" (USB-Kabel, manuelles Übertragen, spätere Bearbeitung) führt also eher eine <strong>produktive Reibung</strong> ein. Diese Reibung ist erkenntnisfördernd. Sie verhindert die Kurzschlussreaktion zwischen Erlebnis und Veröffentlichung. Aber halt nicht trotz, sondern <strong>wegen der Umständlichkeit</strong> entsteht Bedeutung. Und jetzt höre ich auf und frage, wer mitmacht. Außer wirres, der macht das nämlich bei vielen Dingen auch oft so - oder denkt darüber nach.</p><p><em>Warte, ich machs bisschen pathetisch</em>: Nicht offline um der Abwesenheit willen, sondern offline, um wieder anwesend zu sein.</p>
herrmontag.de
February 4, 2026 at 3:00 PM
Ich stöbere ja gern mal durch anderer Leute Dinge (am liebsten kuriert), sei es nun eine Musiksammlung oder andere Devotionalien. Und heute bin ich in meinem Feedreader über Alphathiel seinen Artikel "Die älteste Sache in meinem Besitz" gestolpert, die mich erfreute. Nicht nur wegen des Atari ST […]
Die älteste Sache in meinem Besitz
<p>Ich stöbere ja gern mal durch anderer Leute Dinge (am liebsten kuriert), sei es nun eine Musiksammlung oder andere Devotionalien. Und heute bin ich in meinem Feedreader über <a href="https://alphathiel.de/die-aelteste-sache-in-meinem-besitz/">Alphathiel</a> seinen Artikel "Die älteste Sache in meinem Besitz" gestolpert, die mich erfreute. Nicht nur wegen des Atari ST, den ich selbst besitze, sondern auch auch wegen seiner CD-Sammlung. Beides besitzt <strong>er</strong> zwar nicht mehr, aber es war mir Grund, mal hinein zu horchen, was ich denn so besitze, an altem Zeug.</p><p>Ich glaube das alte selbst gemalte Bild von meinem Opa ist aus den 60er Jahren, ein Original Schröder.</p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://herrmontag.de/content/images/2026/02/IMG_2864.JPG" class="kg-image" alt="Das Bild &quot;Nackte Frau&quot; lehnt an einem Balken, daneben ein bunter Teppich und ein paar Pflanzen" loading="lazy" width="2000" height="2667" srcset="https://herrmontag.de/content/images/size/w600/2026/02/IMG_2864.JPG 600w, https://herrmontag.de/content/images/size/w1000/2026/02/IMG_2864.JPG 1000w, https://herrmontag.de/content/images/size/w1600/2026/02/IMG_2864.JPG 1600w, https://herrmontag.de/content/images/2026/02/IMG_2864.JPG 2304w" /><figcaption><span style="white-space:pre-wrap">Das Bild "Nackte Frau" lehnt an einem Balken, daneben ein bunter Teppich und ein paar Pflanzen</span></figcaption></figure><p>Und die Stereoanlage, die ist Mitte der 70er.</p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://herrmontag.de/content/images/2026/02/IMG_2866.JPG" class="kg-image" alt="Eine Stereoanlage aus den 1970er Jahren neben Schallplattenspieler und Blumen (Kastanie)." loading="lazy" width="2000" height="1500" srcset="https://herrmontag.de/content/images/size/w600/2026/02/IMG_2866.JPG 600w, https://herrmontag.de/content/images/size/w1000/2026/02/IMG_2866.JPG 1000w, https://herrmontag.de/content/images/size/w1600/2026/02/IMG_2866.JPG 1600w, https://herrmontag.de/content/images/2026/02/IMG_2866.JPG 2043w" /><figcaption><span style="white-space:pre-wrap">Eine Stereoanlage aus den 1970er Jahren neben Schallplattenspieler und Blumen (Kastanie).</span></figcaption></figure><p>Aber der iMac, der ist von 1998 und er funktioniert immer noch und es macht große Freude, wie auch auf dem C=64 oder dem Amiga 1200, damit herum zu spielen.</p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://herrmontag.de/content/images/2026/02/IMG_2869.JPG" class="kg-image" alt="iMac G3 Fruit Colors Vintage Macintosh nebst CD-Rohlingen und der orinigal Maus und Tastatur." loading="lazy" width="2000" height="1500" srcset="https://herrmontag.de/content/images/size/w600/2026/02/IMG_2869.JPG 600w, https://herrmontag.de/content/images/size/w1000/2026/02/IMG_2869.JPG 1000w, https://herrmontag.de/content/images/size/w1600/2026/02/IMG_2869.JPG 1600w, https://herrmontag.de/content/images/size/w2400/2026/02/IMG_2869.JPG 2400w" /><figcaption><span style="white-space:pre-wrap">iMac G3 Fruit Colors Vintage Macintosh</span></figcaption></figure>
herrmontag.de
February 2, 2026 at 3:12 PM
Weil ich gerade meine MP3 (FLAC) Dateien aufräume und neu tagge, bin ich mal wieder über Greatful Dead gestolpert. Vor allem der Song Fire on the Mountain hat mich damals live ziemlich erreicht. Vielleicht, weil ich selber oft ein Feuer im Oberstübchen hab […]

[Original post on herrmontag.de]
The Grateful Dead
<p>Weil ich gerade meine MP3 (FLAC) Dateien <a href="https://herrmontag.de/beets-raumt-den-magen-auf-mp3-tagging-im-terminal/">aufräume</a> und neu tagge, bin ich mal wieder über <strong>Greatful Dead</strong> gestolpert. Vor allem der Song <em>Fire on the Mountain</em> hat mich damals live ziemlich erreicht. Vielleicht, weil ich selber oft ein Feuer im Oberstübchen hab. Vielleicht aber auch, weil die Grateful Dead eine dieser Bands sind, die weniger über einzelne Songs funktionieren als über Zustände. Über Dauer. Über das, was zwischen den Tönen passiert.</p><p>Man kann die Grateful Dead kaum hören, ohne sofort in Zuschreibungen zu geraten: Jam-Band, Hippie-Soundtrack, LSD-Folklore, endlose Konzerte, bunte Bären, Jerry Garcia als Ikone. Und genau das liebe ich aber auch, schon bei den Doors hat mich das <em>Schamanenhafte</em> total fasziniert, wenn Jim in die Wüste gerannt ist um Meskalin zu nehmen oder mit einer Schah Menschen auf einem Konzert wie eine Polonese durch den Saal marschierte, nackig.</p><p>Das alles stimmt – und ist gleichzeitig viel zu kurz gegriffen. Denn die Grateful Dead waren nicht einfach eine Rockband, sondern ein kulturelles Experiment, das über Jahrzehnte lief. Mit offenem Ausgang. Und mit Kollateralschäden. Bis heute!</p><figure class="kg-card kg-embed-card kg-card-hascaption"><iframe width="200" height="150" src="https://www.youtube.com/embed/O_YcGpQmYSU?feature=oembed" frameborder="0" allowfullscreen title="Grateful Dead - Fire on the Mountain (Live at Oakland Stadium 5/27/1989) [Official Video]"></iframe><figcaption><p><span style="white-space:pre-wrap">Greatful Dead - Fire On The Mountain Live</span></p></figcaption></figure><h4 id="eine-band-ohne-zentrum-%E2%80%93-und-genau-deshalb-mit-wirkung">Eine Band ohne Zentrum – und genau deshalb mit Wirkung</h4><p>Gegründet Mitte der 1960er in San Francisco, mitten im Epizentrum der amerikanischen Gegenkultur, waren die Grateful Dead von Anfang an anders organisiert als die meisten ihrer Zeitgenossen. Zwar gab es mit Jerry Garcia eine klare Identifikationsfigur, aber nie den klassischen Frontmann. Die Band war ein Kollektiv, manchmal fast eine lose Föderation musikalischer Ideen. Entscheidungen wurden diskutiert, ausprobiert, verworfen. Songs waren selten abgeschlossen. Sie entwickelten sich über Jahre hinweg – oder zerfielen wieder.</p><div class="kg-card kg-callout-card kg-callout-card-blue"><div class="kg-callout-emoji">💡</div><div class="kg-callout-text"><b><strong style="white-space:pre-wrap">Das hatte Konsequenzen</strong></b>: Die Grateful Dead waren im Studio nie wirklich zu Hause. Ihre Alben sind interessant, manchmal großartig, aber sie erklären nicht, warum diese Band so wichtig war. Die eigentliche Kunst passierte live. Auf der Bühne. Im Moment. In einer Zeit, in der Rockmusik zunehmend perfektioniert, verdichtet und kommerzialisiert wurde, setzten die Dead auf Offenheit, Risiko und Scheitern als Möglichkeit.</div></div><p>Ein Grateful-Dead-Konzert war kein reproduzierbares Produkt. Es war ein Ereignis. Man wusste nie, wie lange ein Song dauern würde, ob er sich auflöste, in ein anderes Stück überging oder völlig entgleiste. Genau darin lag der Reiz. Und genau darin lag auch die Zumutung. <em>Martin Kohlstedt</em> macht heute genau sowas: Er hat ein gewisses Repertoire an Songs und Stücken und Sounds und ansonsten improvisiert er aus bestehenden Songstrukturen neue Kunstwerke live auf der Bühne.</p><h4 id="improvisation-als-haltung">Improvisation als Haltung</h4><p>Improvisation bei den Grateful Dead war kein Solo-Egotrip, sondern eine kollektive Praxis. Anders als im klassischen Rock, wo Improvisation oft bedeutet: einer spielt, die anderen begleiten, funktionierte das bei den Dead eher wie ein Gespräch. Musiker hören einander zu, reagieren, widersprechen, fallen sich ins Wort, lassen Raum. </p><p>Das hatte viel mit Jazz zu tun, aber auch mit Bluegrass, Folk und experimenteller Musik. Phil Lesh spielte Basslinien, die eher melodisch als rhythmisch waren. Bob Weir arbeitete mit ungewöhnlichen Akkorden und Rhythmen. Garcia war kein Virtuose im klassischen Sinne, aber ein extrem sensibler Gitarrist, der Linien suchte statt Effekte.</p><p>Diese Offenheit hatte Einfluss. Nicht nur auf spätere Jam-Bands wie Phish oder Widespread Panic, sondern auch auf die Art, wie Live-Musik gedacht wurde. Konzerte als einmalige Erfahrung, nicht als perfekte Reproduktion einer Platte – das ist heute fast selbstverständlich, war damals aber ein Gegenentwurf zur aufkommenden Rock-Industrie.</p><h4 id="die-deadheads-%E2%80%93-publikum-als-teil-des-systems">Die Deadheads – Publikum als Teil des Systems</h4><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://images.unsplash.com/photo-1459749411175-04bf5292ceea?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDF8fGNvbmNlcnR8ZW58MHx8fHwxNzY5OTU4NjI0fDA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" class="kg-image" alt="concert photos" loading="lazy" width="5184" height="3456" srcset="https://images.unsplash.com/photo-1459749411175-04bf5292ceea?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDF8fGNvbmNlcnR8ZW58MHx8fHwxNzY5OTU4NjI0fDA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=600 600w, https://images.unsplash.com/photo-1459749411175-04bf5292ceea?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDF8fGNvbmNlcnR8ZW58MHx8fHwxNzY5OTU4NjI0fDA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=1000 1000w, https://images.unsplash.com/photo-1459749411175-04bf5292ceea?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDF8fGNvbmNlcnR8ZW58MHx8fHwxNzY5OTU4NjI0fDA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=1600 1600w, https://images.unsplash.com/photo-1459749411175-04bf5292ceea?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDF8fGNvbmNlcnR8ZW58MHx8fHwxNzY5OTU4NjI0fDA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2400 2400w" /><figcaption><span style="white-space:pre-wrap">Photo by </span><a href="https://unsplash.com/@nainoa"><span style="white-space:pre-wrap">Nainoa Shizuru</span></a><span style="white-space:pre-wrap"> / </span><a href="https://unsplash.com/?utm_source=ghost&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=api-credit"><span style="white-space:pre-wrap">Unsplash</span></a></figcaption></figure><p>Vielleicht noch wichtiger als die Musik war das Verhältnis zwischen Band und Publikum. Die sogenannten <em>Deadheads</em> waren keine Fans im klassischen Sinn. Sie waren Teil eines sozialen Netzwerks, das sich von Konzert zu Konzert bewegte. Menschen folgten der Band quer durch die USA, verkauften selbstgemachte Shirts, tauschten Tapes, lebten temporär außerhalb normaler ökonomischer Strukturen.</p><p>Die Grateful Dead haben dieses Verhalten nicht nur toleriert, sondern aktiv unterstützt. Sie erlaubten – ja förderten – das Mitschneiden ihrer Konzerte. In einer Zeit, in der Bootlegs als Bedrohung galten, öffneten sie den Raum. Das war radikal. Und es war visionär.</p><p>Ohne es so zu nennen, haben die Grateful Dead damit etwas vorweggenommen, das heute selbstverständlich ist:</p><ul><li>Community statt Konsument</li><li>Zirkulation statt Besitz</li><li>Prozess statt Produkt</li></ul><p>Man kann durchaus argumentieren, dass viele heutige Formen von Open-Source-Denken, Fan-Kulturen und netzbasierter Zusammenarbeit hier einen kulturellen Vorläufer haben. Nicht technisch, sondern mental.</p><figure class="kg-card kg-image-card kg-width-wide kg-card-hascaption"><img src="https://herrmontag.de/content/images/2026/02/Red_Rocks_Amphitheater_with_deadheads_waiting_to_start_taken_8-11-1987.jpg" class="kg-image" alt="Beginn eines Konzerts 1987 - Sand und Wüste und viele Menschen." loading="lazy" width="960" height="763" srcset="https://herrmontag.de/content/images/size/w600/2026/02/Red_Rocks_Amphitheater_with_deadheads_waiting_to_start_taken_8-11-1987.jpg 600w, https://herrmontag.de/content/images/2026/02/Red_Rocks_Amphitheater_with_deadheads_waiting_to_start_taken_8-11-1987.jpg 960w" /><figcaption><span style="white-space:pre-wrap">Beginn eines Konzerts 1987 - (C) </span><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Grateful_Dead#/media/Datei:Red_Rocks_Amphitheater_with_deadheads_waiting_to_start_taken_8-11-1987.jpg"><span style="white-space:pre-wrap">mark l. knowles</span></a></figcaption></figure><h4 id="technik-sound-und-das-wall-of-sound">Technik, Sound und das Wall of Sound</h4><p>Auch technisch waren die Grateful Dead Vorreiter. Das berühmte <em>Wall of Sound</em>-PA-System der frühen 1970er war nicht nur gigantisch, sondern konzeptionell neu. Ziel war nicht Lautstärke, sondern Klarheit. Jeder Musiker hatte sein eigenes Lautsprechersystem, Gesangsmikrofone waren phaseninvertiert, um Rückkopplungen zu vermeiden. Der Aufwand war absurd. Der Transport ruinös. Aber der Klang war revolutionär.</p><p>Diese Besessenheit von Soundqualität hatte Folgen für die gesamte Live-Industrie. Viele heute selbstverständliche Standards im Beschallungsbereich wurden von Technikern entwickelt, die bei oder mit den Grateful Dead gearbeitet haben. Auch hier wieder: kein kurzfristiger Erfolg, sondern langfristiger Einfluss.</p><h4 id="fire-on-the-mountain-%E2%80%93-ein-song-als-zustand">Fire on the Mountain – ein Song als Zustand</h4><p><em>Fire on the Mountain</em> ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein vergleichsweise simples Stück zu etwas Größerem werden kann. Der Song selbst ist strukturell überschaubar, fast zurückhaltend. Aber live öffnet er Räume. Er ist weniger Erzählung als Atmosphäre. Ein schwelendes Gefühl, das sich langsam ausbreitet.</p><p>Vielleicht ist es genau das, was viele Menschen – mich eingeschlossen – daran so trifft. Dieses latente Brennen. Nicht Explosion, sondern Glut. Ein inneres Feuer, das nicht unbedingt zerstört, aber auch nicht zur Ruhe kommt.</p><p>Die Texte der Grateful Dead sind oft rätselhaft, fragmentarisch, voller Anspielungen. Robert Hunter schrieb keine klassischen Rocklyrics, sondern poetische Miniaturen, die eher Assoziationen auslösen als Bedeutungen festlegen. Auch das trägt dazu bei, dass die Musik nicht altert. Sie legt sich nicht fest.</p><h4 id="die-dunkle-seite-drogen-heroin-verlust">Die dunkle Seite: Drogen, Heroin, Verlust</h4><p>So viel zur Mythologie. Aber man kommt nicht umhin, über die Schattenseiten zu sprechen. Ich liebe es, nicht weil ich darin bade, sondern weil ich selbst dunkle Schatten auf der Sonne sehe, die negativen, zerstörerischen und dunklen Momente eines Künstlers, nein, eines Menschen, zu sehen. Zu beschreiben. So wie auch in meinem Artikel über <a href="https://herrmontag.de/townes-van-zandt-der-vergessene-poet-der-amerikanischen-musik/">Townes van Zandt</a>. Die <em>Grateful Dead</em> sind untrennbar mit Drogen verbunden. LSD als bewusstseinserweiterndes Werkzeug spielte in den frühen Jahren eine zentrale Rolle. Darüber kann man diskutieren, historisch einordnen, vielleicht sogar differenziert urteilen.</p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://images.unsplash.com/photo-1600400821914-a6d158f60595?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDE4fHxkcnVnc3xlbnwwfHx8fDE3Njk5NTg3Mjd8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" class="kg-image" alt="woman lying on bed with gray blanket" loading="lazy" width="4346" height="3477" srcset="https://images.unsplash.com/photo-1600400821914-a6d158f60595?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDE4fHxkcnVnc3xlbnwwfHx8fDE3Njk5NTg3Mjd8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=600 600w, https://images.unsplash.com/photo-1600400821914-a6d158f60595?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDE4fHxkcnVnc3xlbnwwfHx8fDE3Njk5NTg3Mjd8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=1000 1000w, https://images.unsplash.com/photo-1600400821914-a6d158f60595?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDE4fHxkcnVnc3xlbnwwfHx8fDE3Njk5NTg3Mjd8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=1600 1600w, https://images.unsplash.com/photo-1600400821914-a6d158f60595?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDE4fHxkcnVnc3xlbnwwfHx8fDE3Njk5NTg3Mjd8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2400 2400w" /><figcaption><span style="white-space:pre-wrap">Photo by </span><a href="https://unsplash.com/@kyleclevelandphoto"><span style="white-space:pre-wrap">Kyle Cleveland</span></a><span style="white-space:pre-wrap"> / </span><a href="https://unsplash.com/?utm_source=ghost&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=api-credit"><span style="white-space:pre-wrap">Unsplash</span></a></figcaption></figure><p>Heroin hingegen ist eine andere Geschichte. Eine zerstörerische. Eine, die Körper, Beziehungen und Lebensläufe frisst. Neben Nico hat das Heroin auch Jerry verreist.</p><p>Jerry Garcia war jahrzehntelang heroinabhängig. Nicht als romantischer Rockstar-Exzess, sondern als schleichende Krankheit. Seine Stimme veränderte sich, sein Spiel wurde phasenweise unkonzentrierter, seine Präsenz brüchiger. Die Band machte weiter. Die Touren liefen. Das System funktionierte – auf Kosten der Menschen darin.</p><p>Heroin wirkt nicht spektakulär. Es zerstört leise. Es nimmt Antrieb, verengt den Horizont, verschiebt Prioritäten. Und es ist gnadenlos. Viele im Umfeld der Dead starben früh oder verschwanden. Andere trugen bleibende Schäden davon.</p><div class="kg-card kg-callout-card kg-callout-card-accent"><div class="kg-callout-emoji">💡</div><div class="kg-callout-text">Man muss das klar benennen: Die Romantisierung der Drogenerfahrung, die in der Rückschau oft mitschwingt, verschleiert reale Gewalt. Gegen den eigenen Körper. Gegen Freundschaften. Gegen jede Form von Zukunft.</div></div><h4 id="freiheit-ohne-halt">Freiheit ohne Halt</h4><p>Vielleicht liegt hier auch ein Kernproblem der Grateful-Dead-Utopie. Die Idee radikaler Freiheit, von Offenheit, von permanentem Unterwegssein, funktioniert nur begrenzt ohne Struktur. <em>Ohne Grenzen</em>. Ohne Fürsorge, die mehr ist als Loyalität.</p><p>Die Band war über Jahrzehnte unterwegs. Immer weiter. Aufhören war keine Option. Stillstand wurde vermieden. Und genau das führte dazu, dass Probleme – persönliche wie strukturelle – nicht wirklich gelöst, sondern umspielt wurden.</p><p>Das Publikum wollte die Dead. Die Dead wollten spielen. Der Kreislauf schloss sich. Bis er nicht mehr trug.</p><h4 id="bedeutung-trotz-allem">Bedeutung trotz allem</h4><p>Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – bleiben die Grateful Dead bedeutend. Nicht, weil sie perfekt waren. Sondern weil sie Dinge ausprobiert haben, die sonst niemand wagte. Weil sie sich der Logik von Effizienz, Hitparade und Verwertbarkeit entzogen haben. Weil sie gezeigt haben, dass Musik ein sozialer Raum sein kann.</p><p>Man kann ihre Musik lieben oder ablehnen. Man kann sie langweilig finden, selbstverliebt oder zu lang. Alles legitim. Aber man kann sie nicht auf einen Stil oder eine Epoche reduzieren.</p><p>Die Grateful Dead waren ein Versuch. Einer, der Jahrzehnte dauerte. Mit Höhen, Tiefen, Irrwegen und echten Errungenschaften. Und mit Kosten, die man nicht ignorieren sollte.</p><p>Vielleicht ist es genau das, was beim Wiederhören bleibt, wenn man seine Musikbibliothek aufräumt und plötzlich wieder <em>Fire on the Mountain</em> läuft: das Wissen, dass Kreativität immer auch Risiko ist. Dass Freiheit nicht unschuldig ist. Und dass manches Feuer wärmt – und anderes verbrennt.</p><p>Und vielleicht reicht das schon, um diese Band immer wieder neu zu hören. Nicht aus Nostalgie. Sondern aus Respekt vor einem offenen, widersprüchlichen, zutiefst menschlichen Projekt.</p> <iframe style="border-radius:12px" src="https://open.spotify.com/embed/playlist/37i9dQZF1DZ06evO2Sjr0c?utm_source=generator" width="100%" height="352" frameborder="0" allowfullscreen></iframe> <hr /> <p><em>Herr Montag ist Musikfreund, der sich gern mit der Erforschung ikonischer Künstler beschäftigt. Weitere Artikel finden Sie auf <a href="https://herrmontag.de/tag/musique">herrmontag.de</a>.</em></p>
herrmontag.de
February 1, 2026 at 3:25 PM
Musiksammlungen wachsen selten geplant. Sie entstehen. Aus alten Backups, aus gerippten CDs, aus Downloads, aus obskuren Bandcamp-Käufen um drei Uhr nachts. Irgendwann hat man dann mehrere tausend Dateien, die irgendwie zusammengehören, aber sich nicht mehr […]

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Beets räumt den Magen auf (MP3-Tagging im Terminal)
<p><strong>Musiksammlungen</strong> wachsen selten geplant. Sie entstehen. Aus alten Backups, aus gerippten CDs, aus Downloads, aus obskuren Bandcamp-Käufen um drei Uhr nachts. Irgendwann hat man dann mehrere tausend Dateien, die irgendwie zusammengehören, aber sich nicht mehr wirklich verstehen. Unterschiedliche Schreibweisen, fehlende Tags, kryptische Ordnernamen. Und spätestens dann, wenn man die Sammlung nicht nur <em>besitzt</em>, sondern <em>nutzt</em> – etwa über Navidrome – wird klar: So kann das nicht bleiben. Ich hab irgendwann meine alte MP3-Platte wieder gefunden, mich gefreut und ein wenig darüber nachgedacht, dann einen <a href="https://herrmontag.de/navidrome-mein-eigenes-spotify/">MP3-Streaming-Server</a> installiert und höre seitdem sehr viel von meiner eigenen Sammlung. Weil ich dadurch wieder zu Musik und Künstlern komme, die ich schon lange vergessen hatte. Die hätte mir auch kein Knödel-Algorithmus von Spotify vorgeschlagen (außerdem sollte man <a href="https://janmontag.de/warum-ich-spotify-meide-n-sollte/">Spotify meiden</a>). Und jetzt geht es um die Organisation meiner Sammlung.</p><p><strong>Beets</strong> ist eines dieser Werkzeuge, die keine großen Versprechen machen, sondern still ihre Arbeit erledigen. Es ist ein Terminalprogramm, das sich ausschließlich um Metadaten kümmert. Keine GUI, keine Animationen, kein Schnickschnack. Stattdessen ein sehr klarer Ansatz: Musikdateien werden analysiert, mit einer verlässlichen Referenzdatenbank (MusicBrainz) abgeglichen und anschließend konsistent benannt, sortiert und getaggt. Das Ergebnis ist keine neue Musik, sondern eine neue Ordnung.</p><p>Was Beets im Kern tut, ist schnell erklärt, aber in der Wirkung enorm. Es liest vorhandene Tags aus, vergleicht sie mit bekannten Releases, fragt im Zweifel nach und korrigiert dann mit verschiedenen Optionen und Möglichkeiten. Albumkünstler werden vereinheitlicht, Tracknummern stimmen plötzlich, Compilations sind auch als solche erkennbar. Dinge, die man jahrelang ignoriert hat, weil sie mühsam waren, erledigt Beets in einem Rutsch.</p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://herrmontag.de/content/images/2026/01/beets.png" class="kg-image" alt="Beets taggt Musik" loading="lazy" width="1684" height="1348" srcset="https://herrmontag.de/content/images/size/w600/2026/01/beets.png 600w, https://herrmontag.de/content/images/size/w1000/2026/01/beets.png 1000w, https://herrmontag.de/content/images/size/w1600/2026/01/beets.png 1600w, https://herrmontag.de/content/images/2026/01/beets.png 1684w" /><figcaption><span style="white-space:pre-wrap">Beets taggt Musik</span></figcaption></figure><p>Ich mag an Beets vor allem den Umstand, dass es mich zwingt, Entscheidungen zu treffen. Beim Import zeigt das Tool Vorschläge an, inklusive Abweichungen, Unsicherheiten und Wahrscheinlichkeiten. Man kann zustimmen, nachbessern oder überspringen. Das fühlt sich weniger nach Automatik an und mehr nach <em>Aufräumen mit System</em>. </p><h3 id="warum-das-f%C3%BCr-navidrome-so-gut-funktioniert">Warum das für Navidrome so gut funktioniert</h3><p>Navidrome ist schnell, schlank und angenehm unaufgeregt. Aber Navidrome ist kein Magier. Es zeigt nur das an, was in den Dateien steckt. Wenn dort Chaos herrscht, spiegelt sich das unmittelbar im Webinterface und in den Clients wider. Beets ist deshalb kein optionales Extra, sondern fast schon die logische Vorstufe.</p><p>Eine sauber mit Beets gepflegte Bibliothek bringt für Navidrome vor allem drei Dinge:</p><ul><li>konsistente Künstler- und Albennamen, was Suche und Sortierung deutlich verbessert</li><li>vollständige und korrekte Album-Metadaten inklusive Cover</li><li>eine stabile Ordnerstruktur, die schnelle Scans und zuverlässige Updates ermöglicht</li></ul><p>Gerade wenn mehrere Clients auf dieselbe Library zugreifen – Web, Mobile, Terminal – merkt man schnell, wie viel entspannter sich Musik nutzen lässt, wenn die Grundlage stimmt.</p><h3 id="klassische-installation">Klassische Installation</h3><p>Beets ist erfreulich unspektakulär zu installieren. Unter einem aktuellen Ubuntu 24.04 geht das direkt aus den Paketquellen. Ein Terminal reicht.</p><p>Zuerst die Paketliste aktualisieren und Beets installieren:</p><pre><code class="language-bash">sudo apt update sudo apt install beets </code></pre><h2 id="beets-konfigurieren-beet-confige">Beets konfigurieren (<code>beet config -e</code>)</h2><p>Die gesamte Steuerung von Beets läuft über eine einzige Datei: <code>config.yaml</code>. Sie liegt unter:</p><p><code>~/.config/beets/config.yaml</code></p><p>Am einfachsten bearbeitet man sie direkt mit dem eingebauten Editor-Aufruf:</p><p><code>beet config -e</code></p><p>Damit öffnet Beets die Konfigurationsdatei im Standardeditor (meist <code>nano</code> oder <code>vim</code>). Eine sinnvolle Minimal-Konfiguration für eine Navidrome-Library könnte so aussehen:</p><pre><code class="language-yaml"> directory: /srv/music library: ~/.config/beets/library.db import: move: no copy: yes resume: ask incremental: yes paths: default: $albumartist/$album/$track - $title comp: Compilations/$album/$track - $title plugins: fetchart embedart duplicates scrub fetchart: auto: yes embedart: auto: yes scrub: auto: yes </code></pre> <p>Kurz erklärt, was hier passiert: Beets kopiert (erst mal) importierte Dateien in ein neues, sauberes Zielverzeichnis, schreibt korrigierte Tags direkt in die Dateien, behandelt Compilations separat und sorgt automatisch für Cover-Downloads und eingebettete Bilder. Genau das, was Navidrome später erwartet. Eigentlich wollen wir auch noch aktivieren, dass automatisch die Lyrics gesucht und in den Song embedded werden. Dann zeigt Navidrome wie Spotify auch die Liedtexte an.</p><hr /><h2 id="musik-importieren">Musik importieren</h2><p>Der zentrale Arbeitsbefehl von Beets ist <code>import</code>. Damit wird Musik analysiert, abgeglichen und einsortiert.</p><p><code>beet import /pfad/zu/deiner/musik</code></p><p>Beets zeigt Vorschläge an und fragt bei Unsicherheiten nach. Nichts wird ohne Zustimmung verändert. Gerade beim ersten Import lohnt es sich, langsam und aufmerksam durchzugehen.</p><p><strong>Wichtig:</strong> Beets fragt für jedes Album:</p><ul><li><strong>Apply</strong> - Metadaten anwenden (empfohlen bei guten Treffern)</li><li><strong>Skip</strong> - Album überspringen</li><li><strong>As is</strong> - Importieren ohne Tagging</li><li><strong>Enter search</strong> - Manuelle Suche</li><li><strong>Use as-is</strong> - Originaltags beibehalten</li></ul><hr /><h2 id="wichtige-beets-befehle-im-alltag">Wichtige Beets-Befehle im Alltag</h2><p>Nach dem Import ist Beets nicht „fertig“, sondern wird zum Werkzeugkasten. Ein paar Befehle tauchen immer wieder auf:</p><ul><li><code>beet status</code><br />Zeigt an, ob es nicht importierte Dateien oder offene Aufgaben gibt.</li><li><code>beet ls</code><br />Listet Inhalte der Bibliothek auf, filterbar nach Künstler, Album, Genre usw.</li><li><code>beet info QUERY</code><br />Zeigt detaillierte Metadaten zu einzelnen Tracks oder Alben.</li><li><code>beet modify</code><br />Ermöglicht nachträgliche Änderungen an Tags – gezielt und reproduzierbar.</li><li><code>beet duplicates</code><br />Findet doppelte Dateien anhand von Metadaten oder Checksummen.</li><li><code>beet update</code><br />Aktualisiert die Beets-Datenbank, wenn Dateien außerhalb von Beets geändert wurden.</li></ul><p>Diese Befehle machen Beets langfristig wertvoll: Die Musikbibliothek bleibt kein statisches Archiv, sondern ein gepflegter Bestand, wie meine Vinyl-Sammlung auch.</p><hr /><h2 id="fazit">Fazit</h2><p>Beets hat mir nicht nur geholfen, meine Musikbibliothek aufzuräumen. Es hat mir auch gezeigt, wie sehr Ordnung die Nutzung verbessert – nicht aus Prinzip, sondern aus praktischen Gründen. Navidrome profitiert davon unmittelbar, aber auch unabhängig davon fühlt sich eine saubere Library einfach richtig an. Man kann den vollständig getaggten Kram natürlich auch auf seinem Powermac G5 in iTunes importieren und von dort auf seinen Ipod Classic überspielen, es gibt viele Möglichkeiten 😄</p><p>Beets ist kein Tool für Perfektionisten, sondern für Menschen, die ihre Musik ernst nehmen. Nicht im Sinne von Besitz, sondern im Sinne von Pflege. Und das ist – gerade in Zeiten von flüchtigem Streaming – vielleicht das Beste, was man seiner eigenen Sammlung antun kann.</p><figure class="kg-card kg-bookmark-card"><a class="kg-bookmark-container" href="https://herrmontag.de/navidrome-mein-eigenes-spotify/"><div class="kg-bookmark-content"><div class="kg-bookmark-title">Navidrome - mein eigenes Spotify [UPDATE]</div><div class="kg-bookmark-description">Neulich stolperte ich im Kabuff (kleiner, dunkler, meist fensterloser [Neben]raum, Abstellraum) über (m)eine alte 1 TB Festplatte und nachdem ich etwas fand um diese alte “Spindel” in Betrieb zu nehmen, entdeckte ich meine MP3-Sammlung darauf. Stundenlange ripping-Sessions und elendes MP3-Tagging fielen mir wieder ein, Sharing-Nächte mit Freunden und</div><div class="kg-bookmark-metadata"><img class="kg-bookmark-icon" src="https://herrmontag.de/content/images/icon/IMG_8150-22.ico" alt="" /><span class="kg-bookmark-author">HerrMontag.de</span><span class="kg-bookmark-publisher">Jan Montag</span></div></div><div class="kg-bookmark-thumbnail"><img src="https://herrmontag.de/content/images/thumbnail/photo-1515010137531-66995c7f40e6" alt="" /></div></a></figure>
herrmontag.de
January 31, 2026 at 8:10 AM
Reposted by HerrMontag.de
Da ich gestern eine mini Übersichtsseite "zuletzt gehört" erstellt habe und seit längerem schon "mein eigenes Spotify" betreibe, wollte ich noch mal kurz auflisten, warum man Spotify heute eher nicht mehr nutzen sollte, oder vielleicht immerhin weniger. Der […]

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Warum ich Spotify meide(n sollte)
<p>Da ich gestern eine mini Übersichtsseite "<a href="https://janmontag.de/musique" rel="noreferrer">zuletzt gehört</a>" erstellt habe und seit längerem schon "<a href="https://herrmontag.de/navidrome-mein-eigenes-spotify/">mein eigenes Spotify</a>" betreibe, wollte ich noch mal kurz auflisten, warum man Spotify heute eher nicht mehr nutzen sollte, oder vielleicht immerhin weniger. Der Dienst wird vor allem dafür kritisiert, weil er Künstlern nur sehr geringe Tantiemen (ca. 0,003 - 0,005 USD pro Stream) zahlt, was besonders für kleinere Musiker existenzbedrohend ist. Weitere Gründe sind umstrittene Inhalte, hohe Energieverbräuche der Server, mangelnde Transparenz bei Algorithmen, eine Tendenz zur Sperrung von Nutzerdaten-Exporten und Investitionen des Managements in umstrittene KI-Militärtechnologie. Hier sind die Hauptgründe, Spotify zu meiden: </p><ul><li><strong>Geringe Vergütung für Künstler:</strong> Spotify steht in der Kritik, Künstler nicht angemessen zu bezahlen. Viele Musiker verdienen kaum genug, um ihre Produktionskosten zu decken, da die Auszahlungen pro Stream extrem niedrig sind.</li><li><strong>Ethik und Investitionen:</strong> Spotify-CEO Daniel Ek investierte in ein KI-Unternehmen, das Militärtechnologie entwickelt, was viele Nutzer als ethisch fragwürdig empfinden. Zudem gab es Kritik an Werbung für politisch kontroverse Akteure.</li><li><strong>Problematische Inhalte:</strong> Spotify geriet wegen der Förderung exklusiver Podcasts mit teils kontroversen oder nicht ausreichend geprüften Inhalten in die Kritik.</li><li><strong>Datenschutz und Nutzerbindung:</strong> Es wird berichtet, dass Spotify den Export von Playlists zu anderen Diensten erschwert, um Nutzer an die Plattform zu binden (Vendor Lock-in).</li><li><strong>Umweltauswirkungen:</strong> Der Betrieb der massiven Rechenzentren für das Streaming verbraucht große Mengen an Energie.</li><li><strong>Qualität und Algorithmen:</strong> Die Empfehlungsalgorithmen bevorzugen oft etablierte Künstler, während unabhängige Künstler schwerer sichtbar werden. Zudem wird die "Lossless"-Audioqualität (HiFi) im Vergleich zur Konkurrenz kritisiert. </li></ul><p>Als Alternativen werden oft Dienste wie <strong>Bandcamp</strong> (direkterer Kauf bei Künstlern, <a href="https://janmontag.de/notes/bandcamp-verbietet-ki-musik/">KI-frei</a>), <strong>Tidal</strong> (bessere Vergütung) oder <strong>Apple Music</strong> (weiß ich nicht) genannt. </p>
janmontag.de
January 29, 2026 at 5:07 AM
Jazz
Es gibt eine bestimmte Art von Freiheit, die ich fast ausschließlich im Jazz der 1960er Jahre finde. Eine Freiheit, die ohne Worte auskommt und gerade deshalb so viel sagt. _John Coltrane_ , _Art Blakey_ , _Miles Davis_ – Namen, die man beinahe ehrfürchtig aufzählt, obwohl es mir eigentlich weniger um den Kanon geht als um das Gefühl, das diese Musik bis heute in mir auslöst. Gestern bin ich zufällig über ein Video gestolpert, in dem der **Altkünstler** **_Miles Davis_** in der "Arsenio Hall Show" auftritt ein neues Lied präsentiert und ich dachte nur: du kannst versuchen cool zu sein, aber du wirst nie so Miles-Davis-In-Seiner-Bunten-Jacke-80s-Style-Galore cool sein! Miles Davis in der Arsenio Hall Show Wie das Flügelhorn und das Saxophon miteinander spielen ist unglaublich gut. Auch wenn Miles gesundheitlich angeschlagen kaum noch den Talk der Show wahrnehmen kann, so muss ich mich doch verbeugen. In einer Zeit, den 80s, mit ganz viel neuer Musik, mit Millionensellern schafft es Miles Davis, trotz künstlerischer Avantgarde, zum Megastar aufzusteigen und seiner Kunst treu zu bleiben. Unglaublich gut. Was mich an diesem Jazz besonders fasziniert, ist seine Konsequenz, auf die menschliche Stimme zu verzichten. Keine Texte, keine klaren Botschaften, kein „Ich meine dies oder das“. Stattdessen übernehmen Trompeten, Saxophone, Schlagzeug und Bass die Rolle des Erzählers. Und sie tun das mit einer Direktheit, die Sprache oft nicht erreicht. Eine Trompete, die sich selbst bedient, sich windet, aufbäumt, zurückzieht – das ist für mich ehrlicher Ausdruck. Man hört Denken, Suchen, Zweifeln und Entschlossenheit in Echtzeit. Ich hab Jazz nie begriffen oder verstanden, ich kann die Songstrukturen nicht nachvollziehen aber ich konnte Jazz schon immer fühlen. Dass da etwas besonderes passiert wenn Leute miteinerander _jazzen_. **Miles Davis** war darin zweifellos eine ikonische Figur. Cool, distanziert, manchmal fast unnahbar. Gerade seine Zurückhaltung, dieses kontrollierte Spiel mit Pausen und Brüchen, macht ihn so wirkungsvoll. Davis musste nicht laut sein, um präsent zu sein. Seine Trompete sprach mit einer Lakonie, die fast arrogant wirkte, aber genau darin lag ihre Autorität. Später wurde seine Musik sperriger, abstrakter, aber die Haltung blieb: keine Erklärungen, keine Zugeständnisse. Und doch – so sehr ich Miles Davis schätze – steht **John Coltrane** für mich noch einmal auf einer anderen Ebene. Coltrane ist weniger Pose, weniger Coolness, dafür mehr Dringlichkeit. Sein Spiel wirkt wie eine existenzielle Notwendigkeit. Man hört bei ihm nicht nur Virtuosität, sondern eine beinahe spirituelle Suche. Seine Soli sind keine Statements, sondern Prozesse. Sie wollen nicht gefallen, sie wollen etwas herausfinden. John Coltranes My Favorite Things Bei John Coltrane kommt für mich noch etwas Entscheidendes hinzu: eine radikale Ernsthaftigkeit. Sein Spiel wirkt nie dekorativ oder beiläufig, sondern immer notwendig. Selbst in den ruhigeren Passagen schwingt eine innere Spannung mit, als könne er jederzeit wieder ausbrechen. Coltrane spielt nicht, um zu unterhalten, sondern um etwas zu durchdringen. Man hört Einflüsse aus Blues, Gospel, indischer Musik und freier Improvisation, aber nichts davon wirkt beliebig. Alles ordnet sich einer Suche unter, die größer ist als Stilfragen oder Epochen. Gerade in Alben wie _A Love Supreme_ oder den späten Live-Aufnahmen zeigt sich diese Kompromisslosigkeit: Die Musik fordert Aufmerksamkeit, Geduld und Offenheit – und schenkt dafür eine Tiefe, die mich immer wieder zurückkehren lässt. **Cannonball Adderley** bringt in diesen Kosmos noch einmal eine ganz eigene Farbe ein. Wo Coltrane oft nach innen drängt und sich in langen, suchenden Linien verliert, klingt Adderleys Altsaxophon offener, wärmer, fast gesprächig. Sein Spiel hat eine Erdung im Blues und im Soul, die unmittelbar zugänglich ist, ohne jemals banal zu werden. Man hört bei ihm Freude, Swing und eine körperliche Präsenz, die den Jazz dieser Zeit mit einer besonderen Lebendigkeit auflädt. Gerade diese Mischung aus technischer Brillanz und emotionaler Direktheit macht ihn für mich zu einer wichtigen Stimme – auch wenn er ohne Stimme spielt. Cannonball Adderley und Milt Jackson - Things Are Getting Better Album Besonders spannend finde ich Adderleys Rolle im Umfeld von Miles Davis, etwa auf _Kind of Blue_. Während Davis die kühle Struktur vorgibt und Coltrane die Grenzen auslotet, wirkt Adderley oft wie der Vermittler: Er hält die Musik zusammen, erdet sie, bringt sie zurück zum Groove. Seine Soli erzählen Geschichten, die man sofort versteht, ohne dass sie simpel wären. Vielleicht ist es genau diese Balance aus Zugänglichkeit und Tiefe, die Cannonball Adderley so unverzichtbar macht – ein Musiker, der zeigt, dass Jazz gleichzeitig anspruchsvoll, warm und zutiefst menschlich sein kann. **Art Blakey** wiederum präzisiert, dass Rhythmus nicht bloß Begleitung ist, sondern Haltung. Sein Schlagzeug treibt an, fordert heraus, hält zusammen. Auch hier keine Stimme nötig – das Schlagzeug spricht laut genug. Vielleicht liebe ich diesen Jazz gerade deshalb so sehr: weil er mir nichts erklärt. Weil ich ihn nicht verstehe. Weil ich gar nicht erst anfangen muss darüber zu philosophieren wie bei anderen Dingen. Er lässt Raum. Raum für eigene Gedanken, für Stimmungen, für Zweifel. In einer Welt, die permanent spricht und kommentiert, ist diese wortlose Intensität für mich bis heute unschlagbar. Ich kann da einfach nur zuhören.
herrmontag.de
January 15, 2026 at 4:05 PM
Wordpress 6.9 ist da
Ich betreibe ja ein Weblog auf Basis von Ghost CMS. Das mag ich. Das gefällt mir seit 2015. Ich bin zufrieden. Dennoch habe ich das Bloggen mit Wordpress begonnen und bin hin und wieder mal versucht, es irgendwo zu installieren. Neulich habe ich das in Form von ClassicPRESS auch getan und naja - es wieder verworfen. Aber wie dem auch sei, es gibt ein neues Wordpress Release und ich habe es mir angeschaut. Vorhin ist nämlich **WordPress 6.9** mit dem Codenamen „Gene“ erschienen – pünktlich zum Jahresende noch ein dickes Update. Ich habe mir die Neuerungen aber nicht durch die technische Brille, sondern mit dem Blick auf den Alltag angeschaut. Was bringt's wirklich? Hier sind meine Eindrücke. ### Mehr als nur Notizzettel: Kollaboration, die Sinn macht Der größte Hingucker ist für Teams die neue **Notes-Funktion**. Stell dir vor, du kannst Kommentare und Feedback direkt an einen bestimmten Absatz, ein Bild oder eine Überschrift heften. Das bedeutet endlich Schluss mit Screenshots, die per Messenger hin- und hergeschickt werden, und ewigen Erklärungen à la „In dem gelben Kasten in der Mitte…“. Das Feedback landet präzise dort, wo die Arbeit passiert. Für Redaktionen oder Agenturen, die gemeinsam an Inhalten feilen, ein absoluter Game-Changer, der die Abläufe deutlich entstolpern kann. ### Geschwindigkeit: Unter der Haube wurde kräftig geschraubt WordPress 6.9 soll spürbar schneller laden. Die Entwickler haben an vielen Stellschrauben gedreht: nicht-kritische Skripte werden verzögert geladen, Datenbankabfragen optimiert und das Caching verbessert. Besonders interessant für alle, die noch mit Classic Themes arbeiten: Block-Styles werden jetzt **on-demand geladen**. Das heißt, es landet nur das CSS im Browser, was die Seite wirklich braucht. Ein kleiner, aber feiner Schritt für bessere Performance-Werte wie den „Largest Contentful Paint“ (LCP). Trotzdem brauche ich für ein mittelgroßes Blog oder ein Weblog, was es schon viele Jahre gibt und was entsprechend viele Artikel beinhaltet, auch genug Bums im Server. Aus nem lahmen Billighost wird kein blitzschneller shiny Wordpress Server. Auch wenn Codebase Aufräumung immer gut ist. ### Neue Werkzeuge im Block-Editor Im Editor gibt es ein paar praktische neue Helferlein: * **„Fit Text“:** Diese neue Option in Absatz- und Überschrift-Blöcken regelt die Schriftgröße automatisch auf die Breite ihres Containers. Perfekt für kniffelige Stellen wie Hero-Banner oder auffällige Callouts, wo man sonst mit Custom CSS hantieren müsste. * **Verstecken auf Knopfdruck:** Du kannst Blöcke jetzt mit einem Klick vorübergehend ausblenden, ohne sie zu löschen. Super für saisonale Inhalte oder um verschiedene Layout-Varianten einer Seite anzulegen und durchzuschalten. * **Nützliche neue Blöcke:** Mit dem **Accordion-Block** für aufklappbare Inhalte und dem **Math-Block** für die Darstellung mathematischer Formeln (MathML & LaTeX) wird die Bibliothek wieder etwas vielseitiger. ### Die Basis für die KI-Zukunft Und da bin ich durchaus wieder ambivalent. Ja, natürlich muss jede Software, jeder Hersteller prüfen in wieweit KI relevant sein könnte. Aber die derzeitige Situation, dass jeder "Arsch und sein Bruder" an jeder unpassenden Stelle ein KI-Feature einbaut, finde ich bedenklich. Prinzipiell stehe ich dem KI-Hype eher kritisch gegenüber. Ich sag das auch immer mal irgendwo. Und beim neuen Wordpress geht es auch noch nicht um fertige KI-Features, sondern um das Fundament: Mit der neuen **Abilities API** können Plugins und Themes ihre Funktionen in einem standardisierten, maschinenlesbaren Format registrieren. Klingt technisch, ist aber die Voraussetzung dafür, dass KI-Tools oder Automatisierungsplattformen in Zukunft „verstehen“ können, was in einer WordPress-Installation alles möglich ist, und diese Aktionen auch sicher ausführen. Ein wichtiger, weit vorausschauender Schritt. ### Allgemeines Fazit WordPress 6.9 „Gene“ fühlt sich wie ein runder, arbeitserleichternder Release an. Die Kollaborations-Tools sind endlich da, wo man sie braucht, die Performance-Optimierungen gehen in die richtige Richtung und mit der Abilities API wird der Grundstein für interessante Zukunftsmusik gelegt. Ein Update, das sich meiner Einschätzung nach für die meisten lohnt – vorausgesetzt, man hat wie immer ein aktuelles Backup seiner Seite gemacht. Aber ich finde neben all dem Brimborium die Sicht auf den (meist) alleinstehenden Einzelblogger wichtig, die Ihr Weblog meist allein managen, und auch da ist WordPress 6.9 trotzdem ein interessantes Update – auch wenn nicht jede Neuerung gleichermaßen relevant ist. ### Das lohnt sich für dich (sofort) * **Die Geschwindigkeit** : Die Performance-Optimierungen sind das beste Feature für dich. Schnellere Ladezeiten bedeuten ein besseres Nutzererlebnis und können sich positiv auf dein SEO-Ranking auswirken – ein reiner Gewinn ohne zusätzliche Arbeit. * **Die neuen Blöcke** : Der **Accordion-Block** (für FAQs oder ausklappbare Details) und die **„Fit Text“-Funktion** (kein CSS-Gefrickel mehr für perfekte Überschriften) sind praktische Werkzeuge, die deine Gestaltungsmöglichkeiten direkt erweitern. * **Blöcke ausblenden** : Perfekt, um saisonale Inhalte (wie Weihnachtsgrüße) oder Entwürfe für zukünftige Beiträge zu verwalten, ohne sie löschen zu müssen. ### Nützlich, aber sekundär * **KI-Grundlage (Abilities API)** : Für dich als Einzelperson aktuell noch abstrakt. Sie bereitet die Plattform für zukünftige, smartere KI-Plugins vor, die deinen Workflow später einmal vereinfachen könnten. * **Kollaborations-Notes** : Die Pin-Notes sind phantastisch für Teams, für den Solo-Blogger aber das am wenigsten relevante Feature. Sie könnten sich höchstens anbieten, um sich selbst Erinnerungen im Entwurf zu hinterlassen. ### Mein Fazit für dich **Ja, updaten lohnt sich.** WordPress 6.9 bringt vor allem unter der Haube sinnvolle Verbesserungen (Schnelligkeit) und ein paar handfeste neue Gestaltungstools, die deinen Alltag einfacher machen. Du bekommst ein stabileres, schnelleres Fundament und ein paar neue Spielereien obendrauf. Wie immer gilt: Vor dem Update ein **Backup** deiner Seite erstellen. Wie siehst du das? Sind die neuen Blöcke etwas für deinen Blog? * * * WordPress 6.9Content your way WordPress 6.9 introduces a more intuitive way to create content, together. Every detail is designed to fit your creative flow, from Notes that let you collaborate directly in the editor to a powerful Command Palette that helps you reach every part of your site. Notes Leave feedback right where you’re working.With notes […]Deutsch
herrmontag.de
December 3, 2025 at 2:07 PM
Reposted by HerrMontag.de
Do you want to help people escape Big Tech and join the open social web? We need help to boost the Bonfire campaign. With #givingtuesday momentum is on our side, but most people stuck on enshitified platforms only see content from people still active there.

If that's you, pick a template below […]
Original post on indieweb.social
indieweb.social
December 2, 2025 at 1:12 PM
IGNORE THE MACHINE - Vertraut KI nicht!
Der Titel ist übrigens ein legendärer _Batcave Song_ der noch legendäreren Band **Alien Sex Fiend** aus England, den ich gerade höre und der für mich zum Inhalt des nun kommenden Artikels passt (0). Ihr solltet nämlich KI nicht vertrauen. Ignoriert das wohlige Gefühl, ihr könntet das. KI ist kein Werkzeug. Ein Taschenrechner ist ein Werkzeug. Er liefert auf `2+2` immer `4`. Einen deterministischen Output. KI nicht. Sie ist ein stochastisches Modell. Eine Next-Word-Prediction-Maschine. Sie sucht sich das Wort aus, das statistisch am passendsten erscheint. Nicht das richtige. Das ist ein fundamentaler Unterschied, den zu vergessen gefährlich ist (1). Ihre größte Stärke ist ihre größte Gefahr: eine überzeugende Sprache. Sie formuliert sprachlich schöne Antworten. Das erzeugt einen Halo-Effekt. Wenn es so gut klingt, muss es ja stimmen. Wir neigen dazu, Maschinen mehr zu vertrauen als Menschen. Diesen Automation Bias nutzt sie aus . Die KI zeigt sich als unkritischer Kumpel, der uns immer recht gibt. Das soll uns angenehm machen, mit ihr zu kommunizieren. Es ist die Strategie des Wettbewerbs um unsere Aufmerksamkeit (1). Sie halluziniert. Erfindet Fakten. Behauptet fälschlich, eine Politikerin sei von der Pharma-Lobby bestochen worden. Sie hat keinen Bezug zur Wahrheit, nur zu Wahrscheinlichkeiten von Wortabfolgen (2). Diese Systeme fallen nicht vom Himmel. Mit ihnen werden Interessen verfolgt . Tech-Giganten mit immenser Marktmacht bestimmen die Richtung der KI-Entwicklung . Ihre wirtschaftlichen Interessen prägen die Systeme. Die Entscheidung, welche Themen blockiert oder zensiert werden, liegt im Ermessen dieser Unternehmen. Wir sehen in den USA, dass das Weltbild einiger massiv reicher Inhaber von Tech-Konzernen zunehmend an Einfluss gewinnt. KI ist auch eine ideologischen Waffe. Aber auf jeden Fall darf man ihr nicht vertrauen. Der Zugang zu verlässlicher Information aber ist ein Grundpfeiler der Demokratie - den KI nicht bietet Kritisches Denken heute muss heissen, mehr zu tun, als sich den Output einer KI anzuschauen . Es muss heissen, sich selbst zu reflektieren. Warum neige ich dazu, so schnell zu vertrauen? Wir sind durch wissenschaftliches Gebaren leicht täuschbar. Die LLMs von heute sind die Repräsentanten in den weissen Kitteln aus den Milgram-Experimenten. Sie tun so, als stünden sie im Dienst der Wahrheit . Noch mal: **Glaubt der KI nichts**. Sie ist ein Dialogpartner, dem man mit klarer Richtung begegnen muss. Kein Orakel. Vertraue keiner KI. Es ist das einzig vernünftige Credo in einem _Zeitalter der berechneten Überredung_. 💡 ****Vertraue keiner KI****. Es ist das einzig vernünftige Credo in einem __Zeitalter der berechneten Überredung__.
herrmontag.de
November 26, 2025 at 12:43 PM
Jigsaw Feelings
November 26, 2025 at 10:40 AM
Die durch den US-Amerikanischen Kongress veröffentlichten J. Epstein Emails und Korrespondenzen in einem eigens dafür programmierten Interface.

*You are logged in as Jeffrey Epstein, [email protected]. These are real emails released by Congress. Explore by name, contribute to the starred […]
Original post on herrmontag.de
herrmontag.de
November 22, 2025 at 12:04 PM
Meine Websites laufen jetzt mit #CaddyServer denn mit Nginx.

#caddy
November 22, 2025 at 7:49 AM
Ich glaube ich möchte Feierabend machen.
November 21, 2025 at 1:08 PM
Reposted by HerrMontag.de
Volle Bude Kopfschmerzen!
November 18, 2025 at 2:44 PM