Hans Peter Reutter
hpreutter.bsky.social
Hans Peter Reutter
@hpreutter.bsky.social
Germany based musician, composer, music theory teacher, blogs about classical and avant-garde music: www.satzlehre.wordpress.com
Die dritte Folge von Satzmodellen nach Christian Möllers macht ein Fass ohne Boden auf: Fauxbourdon-Satz und Cadenza doppia begegnen uns in der Musikgeschichte seit 1327 bis heute, deswegen versuche ich mich als Trüffelschwein und präsentiere besonders schöne Beispiele als Schlaglichter!
Vom falschen Drohn und alten Kadenzen…
…handelt die Folge über dreistimmige Satzmodelle aus Christian Möllers ‚Katechismus‘. Was sich anhört wie der Beginn eines Märchens, ist ein Übersetzungsfehler und einer dieser vereinfachenden Begriffe, die so typisch waren für den pädagogischen Ansatz von Möllers: Er brachte in den 1980er Jahren das Konzept des ‚Satzmodells‘ in die musikalische Hochschulausbildung, mit dem Ziel, damit Improvisieren, Analysieren und bewusster Interpretieren zu können.
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January 9, 2026 at 3:03 PM
Zum neuen Jahr ein Werbeblog in eigener Sache: Schon 2018 veröffentlichte ich ein OpenBook zur Vokalornamentik im 18. Jahrhundert - hier ein Beitrag mit Highlights und einer kleinen Einführung ins Thema! Musikgeschichte, Vokalakrobatik und Pfauenfedern inklusive!
»Anleitung zur Singkunst«…
…so oder ähnlich der Titel vieler Traktate des 17. und 18. Jahrhunderts, aber verdient hat ihn vor allem eine Veröffentlichung des Jahres 1757 aus Berlin. Während viele der früheren Schriften eher eine Theorie des Kontrapunkts und der Affektenlehre bzw. musikalischen Rhetorik ausbreiten, nimmt das Doppelwerk der Autoren Pier Francesco Tosi (1654-1732) und Johann Friedrich Agricola (1720-1774) eine ganz besondere Stellung ein: So gilt Tosis Werk von 1723…
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January 1, 2026 at 7:26 PM
Wer vom letzten Blogbeitrag noch von einem Ohrwurm befallen ist, dem sei diese Analyse des Chorals „Es ist nun aus“ von Johann Christoph Bach empfohlen. Ein kleines Kunstwerk, dessen äußere Schlichtheit eine große innere Komplexität beinhaltet!
»Welt, gute Nacht!«…
…ruft uns die Aria des Onkels/Großcousins von Johann Sebastian namens Johann Christoph Bach (1642-1703) zu, gleich 29-mal, so wir denn alle 7 Strophen zu hören bekommen. So viel Text hat der Nürnberger Dichter und Philosoph Magnus Daniel Omeis (1646-1708) dem todessehnsüchtigen Abschiedsgruß gewidmet und überschlägt sich dabei in barocken Bildern und rhetorischen Figuren. Johann Christoph hat nun, wie im letzten Blogbeitrag erwähnt, seine Vertonung dagegen sehr schlicht und choralartig belassen.
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December 17, 2025 at 4:27 PM
Barocke Todessehnsucht kann uns Heutigen durchaus Lebensmut spenden. Das kann man erfahren an einer choralartigen Arie Johann Christoph Bachs (1642-1703), dem Onkel Johann Sebastians. Außerdem geht es um extreme Gender Inequality. Hoffentlich trotzdem nicht nur ein trauriger Blogbeitrag!
Todessehnsucht und Lebensmut…
...das sind zwei sich scheinbar widersprechende Emotionen, die von einem beträchtlichen Teil der Werke Bachs ausgehen. Das Verhältnis zum Sterben wurde im Barock besonders gerne in metaphernreichen Gedichten und Arientexten beschrieben und war dabei auffällig selten von Furcht und Abscheu geprägt, sondern man sehnte sich in einer christlichen (vielleicht sogar speziell lutherischen) Freude nach seinem Ende. Einen Extrempunkt dieser Einstellung zeigt vielleicht…
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December 15, 2025 at 1:54 PM
Anfang der 1980er Jahre fand ein praxisnahes Analysewerkzeug Eingang in die Musiktheorie: das Satzmodell. In Hamburg mischte ein Pädagoge die Lehre besonders auf: Christian Möllers. Seine Methode und die Konsequenzen werden hier in einer ersten Folge dargestellt: Es geht um Basics; viel steckt drin!
Zickzacks, Fächer, Leittongabeln und anderes Analysebesteck…
…begannen in den 1980ern plötzlich die scheinbar bewährten Werkzeuge der Musiktheorie zu ersetzen. Anstatt Akkorde funktional zu dechiffrieren, kontrapunktische Linien in bestehende Akkordgerüste einzubauen, kam die Idee auf, melodische Elemente zur Grundlage von musikalischen Bausteinen zu betrachten. Das war selbstverständlich keine neue Idee, sondern eine im Prinzip uralte, denn in den meisten Musikkulturen entwickelten sich Zusammenhänge aus diesen melodischen Urzellen. Und wenn die Musik mehrstimmig ausgeführt wurde, dann traten diese Linien in mehreren Stimmen in Interaktion, meist zwischen Bass und (mindestens einer) Oberstimme.
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December 9, 2025 at 2:03 PM
Wie spielt man Schubert? Ein ‚Carlos Böhm‘ versuchte sich an der Person im Film, ich denke selbstverständlich eher die ausübenden Musiker*innen. Und Dieter Schnebel hatte dazu ganz besondere Ideen! Der wirklich abschließende Blogbeitrag zu Schubert!
Schubert spielen…
… aktiv Schubert zu musizieren ist eine lebensverändernde Erfahrung, immer wieder. Wer es als Solist*in am Klavier oder kammermusikalisch, solo oder im Ensemble mit Gleichgesinnten versucht, sollte nicht unverändert aus diesem Erlebnis hervorgehen. Meist betrifft es ja schon Klavierschüler*innen, dem Missverständnis unterliegend, dass die verhältnismäßig leicht zu greifenden Moments musicaux D. 780 eine ‚einfache‘ Einführung in den romantischen Klavierstil geben könnten – weit gefehlt: Auch Teenager müssen tief in die Gedankenwelt einzutauchen vermögen, sonst ist die ‚Übung‘ vergebens.
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December 3, 2025 at 1:06 PM
Zum Abschluss der kleinen Schubert-Reihe ganz subjektive Hörtipps und ein etwas ratloses Postscriptum über unerwünschte Personen. Im Mittelpunkt aber steht wunderschöne Musik in guten Einspielungen!
Schubert hören…
…mittlerweile ist meine ‚kleine‘ Reihe über romantische Harmonik bereits über Schubert (und etwas Beethoven sowie Chopin) so angewachsen – noch bevor ich zu späteren Komponisten komme – dass ich einmal kurz einhalten möchte, um Hörtipps zu geben. Zwar kann ich das nicht so mundfertig wie etwa Adam Neely oder Samuel Andreyev (ich habe keinen Etat, verdiene auch kein Geld mit meinem Blog), ich erhebe keinerlei Anspruch auf Objektivität, aber ganz einfach werde ich Aufnahmen empfehlen, die mich zum Teil seit Jahrzehnten begleiten.
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November 20, 2025 at 4:13 PM
Die Durchführung von Schuberts G-Dur-Sonate gestaltet ein Drama neben Dynamik fast nur mit harmonischen Mitteln. Und es gibt sogar eine Verbindung zu Filmmusik. Mein neuester Blogbeitrag betreibt multiperspektivische Analyse!
Durch Durchführung führen…
…möchte nun endlich der Abschluss der Reihe innerhalb der Reihe: Romantische Harmonik und Schuberts Sonate-Fantasie D. 894. Kaum ein anderes Stück von Schubert bietet sich mehr an, den Blick auf die Harmonik und den Tonartenplan zu verengen, da die rhythmische Bewegung, die Tempogestaltung und das harmonische Metrum (also der durchschnittliche Wechsel von Harmonien) in diesem Werk denkbar ruhig und eher regelmäßig sind.
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November 14, 2025 at 10:27 AM
Zum Abschluss der Analyse der Polonaise-Fantaisie o. 61 von Chopin eine Reihe Beobachtungen zu Harmonik, Satzmodellen und Kontrapunktik dieses komplexen Werkes in meinem neuesten Blogbeitrag. Und einmal E-Dur bei den Beatles!
»Das Klavier spricht hier in einer Sprache, die zuvor unbekannt war«…
…dieses schöne Zitat zu dem hier behandelten Stück des polnischen Musikwissenschaftlers Zdzisław Jachimecki (1882-1927) fand ich auf der Website des 19. Chopin-Wettbewerbs Warschau, über den ich mich zuvor ausgelassen hatte. Die Polonaise-Fantaisie op. 61 war in der Finalrunde Pflichtstück und wer wollte, konnte im Interpretationsvergleich zwischen 11 Pianist*innen gründlich in dieses vielschichtige Stück eintauchen. Vergleichbar ist das Stück vielleicht am ehesten mit der ersten…
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November 8, 2025 at 1:54 PM
Eine erste Galerie der ‚besonderen‘ Stellen aus Chopins Polonaise-Fantaisie op. 61, die dieses Jahr Pflichtstück für die Finalisten des Chopin-Wettbewerbs Warschau war. Beiläufig flicht Chopin Virtuosität in das Narrativ ein, die mindere Komponisten der Zeit sicherlich breitgetreten hätten.
Ein Panoptikum der (beiläufigen) Virtuosität…
…so könnte man Frédéric Chopins Polonaise-Fantaisie op. 61 von 1846 auch sehen. Das Hörerlebnis, das diesen Beitrag anregte (oder beschleunigte – irgendwann wäre er ohnehin mal dran gewesen), war der Interpretationsvergleich zwischen verschiedenen Pianist*innen. Opus 61 war Pflichtstück für alle 11 Finalist*innen des Chopin-Wettbewerbs 2025, über den ich bereits im letzten Blogbeitrag einige subjektive Beobachtungen getätigt habe – auf deutsch: Meinen Senf dazugegeben.
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October 30, 2025 at 4:07 PM
Einige subjektive Bemerkungen zum 19. Chopin-Wettbewerb, der im Oktober 2025 stattfand. Kann so eine Veranstaltung zwischen Weltmeisterschaft, Nerd-Convention und Zirkus den Klassikmarkt in durch Vermarktung geprägten Zeiten retten? Aber egal: Geht es,hier um einen von ca .50 Lieblingskomponisten!
Zuviel Chopin, zuviel des Guten…
…kann man sagen nach 3 Wochen Chopin-Wettbewerb. Normalerweise schreibe ich in meinem Blog nichts zum aktuellen Geschehen, dafür habe ich zu wenige Abonnenten, womit tagesaktuelle Bemerkungen nach einiger Zeit womöglich gar nicht mehr verstanden würden. Stattdessen widme ich mich dem ewig Guten, Schönen und Edlen, namentlich der musikalischen Analyse, nicht wahr, geneigte Leser*innen? Aber ich nehme eine kleine Reflexion zum 19.
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October 27, 2025 at 11:37 AM
Ton für Ton gleitet Beethoven in seiner Sonate op. 14 Nr. 1 in entferntere tonale Gefilde. Wie er das macht, und wie langweilig das klänge, wenn er den ‚normalen‘ Weg beschreiten würde: Davon kann man lesen und in einem Scorevideo hören in meinem neuesten Blogbeitrag zu romantischer Harmonik.
›Tiefchroma‹ – und wie man da hinkommt…
Zweidimensionale Darstellung eines Akkordnetzes mit hoch- und tiefchromatischen Bezügen
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October 24, 2025 at 12:31 PM
satzlehre.wordpress.com/2025/10/18/v...
Wer hätte gedacht, dass Tonarten genderfluid waren - und das seit eh und je. Beethoven führt uns vor, wie man von Dur nach Moll und auf diesem Wege sehr weit weg vom Zentrum gerät. Eine Analyse der Sonate op. 14 Nr. 2 und eine Szene am Bach.
Von Tongeschlecht zu Tongeschlecht…
…könnte man den Wechsel von Dur nach Moll (oder umgekehrt) auch nennen. Wer hätte gedacht, dass Musik schon früher gerne einmal genderfluid war. Wie das mit Hilfe einer ganz speziellen Tonartenverw…
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October 18, 2025 at 2:27 PM
Eine kurze Würdigung eines großen Werks: Mit seiner Wanderer-Fantasie fand Franz Schubert eine neue Art, das Problem der Zyklusbildung der Sonate zu lösen. Nach unvollendeten Werken entstand Ende 1822 dieses komplexe und fordernde Werk, das verschiedene Aspekte an Grenzen führte. Neuer Blogbeitrag!
»Dort wo du nicht bist, dort ist…«
„…das Glück.“ Geneigte Leser*innen, entschuldigt, dass die Überschrift diesmal definitiv wie Clickbait aussieht („Achtung Hausbesitzer, eine Solaranlage lohnt sich nur wenn…“), aber ich wollte ansatzweise etwas von dem Gefühl transportieren, das mich überfiel, als ich Schuberts Lied „Der Wanderer“ (oder „Der Unglückliche“) D. 489 von 1816 das erste Mal kennenlernte. Ich war noch nicht endgültig von Hamburg, wo ich etwa 20 Jahre gelebt hatte, an meine neue Wirkungsstätte Düsseldorf umgezogen (wo ich bis heute an der Robert Schumann Hochschule unterrichte), verbrachte also einen Großteil meiner Zeit in der Deutschen Bahn (schon damals kein uneingeschränktes Vergnügen).
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October 10, 2025 at 2:50 PM
Warum hat Schubert seine h-Moll-Symphonie nicht vollendet? Ein Scherzo bricht ab, ein Finale existiert nicht. Ich weiß es natürlich auch nicht, aber ich versuche mal ein paar Antworten. Daneben knallharte harmonische Analyse in meinem neuesten Blog-Beitrag!
Vollendet unvollendet?…
…ist sie denn nun unvollendet, die bekannte Symphonie von Schubert? Und was hat Schubert davon abgehalten, den fertiggestellten zwei Sätzen zwei weitere hinzuzufügen? Ich weiß es selbstverständlich auch nicht (konnte ihn nicht fragen), aber ich habe da so ein paar Ideen. Das Experimentieren mit Harmonik (und infolge des Tonartenplans auch mit der Form eines Stückes oder des gesamten Zyklus‘) hat Schubert die Jahre nach seinem Lied…
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October 7, 2025 at 2:59 PM
Mein neuester Beitrag in meiner Blog-Reihe zu romantischer Harmonik: mit Angst vor Flaute, einer Teufelsmühle und einem analytischen Score-Video!
»Keine Luft von keiner Seite«…
…“Todes-Stille fürchterlich.“ Für dieses Mal tatsächlich ein Dichterwort (Goethe bzw. laut Erstdruck „Göthe“), um einen Extremzustand von Musik zu beschreiben: den Stillstand. Bevor es also zu der zuvor versprochenen Analyse der Sonate G-Dur D. 894 von Franz Schubert kommen soll, ein Exkurs. Und im Exkurs verschachtelt womöglich ein weiterer. Denn es geht in dieser Blog-Reihe um ein weit gefasstes Thema: romantische Harmonik als Treibgut, Akkorde bzw.
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September 26, 2025 at 5:52 PM
»Schubert war a Stierer, großer Komponierer…«
Ein neuer Beitrag aus der Blog-Reihe über romantische Harmonik. Mit Bemerkungen zu Franz Schubert, Georg Kreisler und Alfred Brendel - sowie die Erstveröffentlichung eines Ländlers von (?) Schubert!
satzlehre.wordpress.com/2025/09/20/s...
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September 20, 2025 at 4:38 PM
EIn neuer Blogbeitrag, der eine persönliche Sichtweise auf die Geschichte der Musiktheorie in den deutschsprachigen Ländern präsentiert. Dazu einige Hamburger Döntjes und etwas Blattsingen!
Satzmodelle auf der Suche nach ihrem Komponisten…
…ohne, dass dieser es zunächst ahnte. In diesem Blogbeitrag soll es weniger um Analyse gehen, sondern um eine Art der Geschichte der Musiktheorie in Deutschland vor allem seit den 1980er Jahren – erzählen kann ich dies am anschaulichsten aus persönlicher Sicht. Dieser Beitrag ist Teil einer lockeren Reihe über musikalische Satzmodelle, die hier beginnt. Im Herbst 1985 begann ich mein Studium an der Hamburger Musikhochschule, eigentlich in Komposition, mein Traumfach und bei meinem Traumlehrer: György Ligeti.
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September 18, 2025 at 8:17 AM